Die Zeitumstellung Sommerzeit oder Winterzeit

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Die Zeitumstellung ist für die einen alljährlich ein großes Ärgernis. Anderen macht sie nichts aus. Fakt ist aber, dass sie in jedem Fall gesundheitliche Auswirkungen mitbringt. Welche das genau sind und wie die Umstellung um eine Stunde vor oder zurück auf das Schlafverhalten wirkt, erklären wir hier.

Zeitumstellung 2018 – Wann beginnen Sommer- und Winterzeit?

In 2018 wird die Umstellung auf die Sommerzeit am 25. März vorgenommen. Stellen Sie Ihre Uhren von 02:00 Uhr auf 03:00 Uhr vor. Diese Umstellung ist immer zum gleichen Zeitpunkt und findet alljährlich am letzten Sonntag im März statt. Auch für die Einstellung der Winterzeit gibt es eine feste Regel: Sie findet immer am letzten Wochenende im Oktober statt. 2018 wird die Sommerzeit am 28. Oktober beendet. Dann wird die Uhr um 03:00 Uhr auf 02:00 Uhr zurückgestellt.

Wer zu dieser Zeit gerade schläft, spürt davon natürlich nichts, sondern stellt nur beim Aufwachen die veränderte Zeit fest. Bei der Umstellung auf die Sommerzeit ist es plötzlich morgens etwas später hell, dafür abends auch später dunkel. Bei der Umstellung auf die Winterzeit ist es umgekehrt, dann ist es morgens wieder hell, abends aber zeitiger dunkel. Dies ist aber nur für kurze Zeit spürbar, dann hat der natürliche Kreislauf die Uhr eingeholt und es ist wieder wie gewohnt hell oder dunkel beim Aufstehen.

Warum gibt es die Umstellung auf die Sommer- und Winterzeit?

Grund für die Einführung der Zeitumstellung war die Annahme, dass weniger Strom verbraucht würde, wenn es abends länger hell ist. Dass dafür morgens mehr Strom und Energie für das Heizen benötigt wird, ließ man bei den Überlegungen wohl außer Acht. Schon im Jahr 1916 gab es das erste Mal eine solche Umstellung, und zwar im Deutschen Kaiserreich. Die Sommerzeit galt damals allerdings nur von Ende März bis Ende September und wurde in der Weimarer Republik wieder außer Kraft gesetzt. Die endgültige Einführung der Sommer- und Winterzeit erfolgte in 1980. Bis heute wurde diese Regelung beibehalten. Eigentlich seltsam, denn mittlerweile sind die negativen Auswirkungen der Umstellung hinreichend bekannt. Der wirkliche Nutzen bzw. wenigstens das Überwiegen der Vorteile ist nicht erkennbar.

Zeitumstellung – Die Auswirkungen auf den Biorhythmus

Wir alle haben eine innere Uhr, die dem persönlichen Biorhythmus folgt. Darüber wird der Herzrhythmus, die Körpertemperatur, das Hungergefühl, die Produktion von Hormonen und der gesamte Stoffwechsel gesteuert. Diese Körperfunktionen sind auf einen Tag-Nacht-Rhythmus eingestellt und folgen diesem zuverlässig. Dabei ist die innere Uhr im Gehirn ansässig, wo die Informationen von den Augen über Licht und Dunkelheit ankommen.

Das Gehirn schickt entsprechende Signale an den restlichen Körper und dieser weiß, wann er was zu tun hat. So passen wir uns unserer Umwelt an. Allerdings ist die innere Uhr bei allen Menschen verschieden und so ist zum Beispiel die ideale Zeit, um zu Bett zu gehen, bei den meisten Menschen unterschiedlich. Wichtig ist auch, ob der Mensch sich häufig im Freien aufhält. Ist das der Fall, bekommt er viel Licht ab und die innere Uhr ist „früh dran“. Das heißt, solche Menschen sind abends schneller müde als solche, die sich die meiste Zeit des Tages im Haus aufhalten.

Arbeitsbedingt müssen viele Menschen gegen ihre innere Uhr arbeiten. Das kann gesundheitlich schwere Auswirkungen haben: Herzrhythmus- und Schlafstörungen können die Folge sein. Auch Stoffwechselerkrankungen durch dauerhaften Stress sind möglich. Teilweise wird sogar diskutiert, ob die Bildung von Krebszellen durch eine Störung der inneren Uhr begünstigt werden kann.

Die Auswirkungen auf den Biorhythmus – ein Beispiel

Um wieder zur Sommer- und Winterzeit zurückzukommen: Diese hat gesundheitsschädigende Auswirkungen, weil sie die innere Uhr stört. Nach dieser müssen wir eine Stunde früher aufstehen, wenn uns unser Körper eigentlich das entsprechende Signal noch gar nicht gegeben hat. Das ist besonders für diejenigen schwierig, die wegen der Arbeit ohnehin schon zeitiger aufstehen müssen, als ihre innere Uhr sagt. Ein Beispiel: Die innere Uhr von Person A würde ihrem Körper sagen, dass sie um 07:00 Uhr wach werden soll. Leider fängt zu dieser Zeit bereits die Arbeitszeit an, also muss Person A schon um 06:00 Uhr aufstehen, um noch pünktlich zu sein. Entsprechend der Umstellung muss sie dann aber schon um 05:00 Uhr aufstehen, auch wenn der Wecker natürlich bereits 06:00 Uhr anzeigt. Fazit: Zwei Stunden früher aufstehen, als der Biorhythmus sagt – das kann nicht gesund sein!

Die meisten Menschen brauchen einige Wochen Zeit, um sich an die Umstellung zu gewöhnen. Leider folgt dann im Oktober wieder die Umstellung auf die Winterzeit, was den Biorhythmus erneut durcheinanderbringt. Diese Umstellung wird aber meist leichter verkraftet, weil es eben eine Stunde mehr ist, die wir bekommen.

Zeitumstellung – Auswirkungen auf das Schlafverhalten

Die im vorigen Absatz angesprochene innere Uhr wird vor allem durch Hormone gesteuert. Dabei spielt das Schlafhormon Melatonin die größte Rolle. Es wird vermehrt ausgeschieden, wenn es dunkel ist, senkt unsere Aktivität und macht uns müde. Wird nun der Schlaf-Wach-Rhythmus durch die Zeitumstellung künstlich verändert, muss sich unser Körper erst wieder auf die Veränderungen einstellen und sich entsprechend anpassen. Das dauert einige Tage und kann mit Einschlafstörungen einhergehen.

Die Ausschüttung des Melatonins wird nicht mit der Uhr umgestellt, auch der Spiegel an Glukokortikoid ist noch niedrig. Gleichzeitig sind Blutdruck und Puls noch abgesenkt, wenn die Uhr nach der Sommerzeit aber sagt, dass es Zeit zum Aufstehen ist. Die Folgen: Wir sind unkonzentriert und müde, kommen nur schwer in die Gänge. Manche Menschen fühlen sich aufgrund des Schlafmangels schlapp und krank. Die Lösung: Einfach eine Stunde früher schlafen gehen? Theoretisch eine gute Idee, praktisch hilft das nicht wirklich. Denn der Körper ist nicht unbedingt früher auf das Schlafen eingestellt und so liegen wir im Bett und warten darauf, endlich einschlafen zu können. Letzten Endes bekommen wir trotz des früheren Schlafengehens nicht mehr Schlaf.

Im Herbst dann ist alles umgekehrt und wir sind längst müde, wenn es eigentlich noch gar nicht so spät ist. Dafür sind wir früh zeitiger heraus aus den Federn, denn der Körper arbeitet noch nach der Sommerzeit. Das gesamte Schlafverhalten wird durch die Uhrenumstellung im Frühling und Herbst langfristig gestört! Wer ohnehin unter Schlafstörungen leidet, bekommt die Auswirkungen der Umstellung auf Sommer- und Winterzeit besonders deutlich zu spüren, auch Menschen mit organischen Erkrankungen leiden stärker. Die Auswirkungen der Umstellung sind mit einem Jetlag vergleichbar!

Umstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt: Pro und Kontra

Die Studien zu den Auswirkungen der Zeitumstellung sind unterschiedlich bzw. kommen zu verschiedenen Ergebnissen. Teilweise wird davon ausgegangen, dass die Unfallgefahr im Straßenverkehr erhöht ist, andere Studien sprechen von weniger Verkehrsunfällen.

Zeitumstellung PRO

– Plus für den Tourismus
Die zusätzliche Stunde Tageslicht durch die Umstellung auf die Sommerzeit beschert Tourismuseinrichtungen einen größeren Ansturm.

– Energieeinsparungen
Nach einer wissenschaftlichen Studie wurde der Stromverbrauch in Chile durch die Einführung der Sommerzeit stark reduziert. Fakt ist aber, dass sich die Energieeinsparung nur auf den Abend bezieht, denn in den im März noch kalten Morgenstunden muss mehr geheizt werden, außerdem brauchen wir beim Frühstücken wieder Licht. Die meisten Geräte im Haushalt (Kühlschrank, Waschmaschine, Froster etc.) laufen ohnehin nicht zeitabhängig und müssen zu jeder Zeit und Stunde arbeiten.

Zeitumstellung KONTRA

– Energiereduzierung nur in geringen Maßen
Wie bei der Pro-Liste angesprochen, hält sich die Energieersparnis in engen Grenzen. Laut dem Deutschen Büro für Technikfolgen-Abschätzung beläuft sich die Ersparnis gerade einmal auf 0,21 Prozent.

– Gesundheitliche Folgen
Die oben beschriebenen gesundheitlichen Folgen können gravierend sein und wirklich krankmachen. Außerdem gehen Mediziner von einem starken Anstieg von Depressionen, Herzproblemen und sogar Selbstmordgefährdungen aus.

– Umstellungen kosten Geld
Die Umstellung auf die Sommerzeit (und im Herbst auf die Winterzeit) kostet die Volkswirtschaft einiges, denn müde Menschen sind weniger produktiv. Wer also morgens mit seinem Mini-Jetlag zur Arbeit muss, ist kaum effizient und arbeitet oft unkonzentriert. Fehler passieren schneller, die Produktion läuft langsamer.

Forderung nach Abschaffung der Zeitumstellung

Die Zeitumstellung ist schnell eingeführt worden – los werden wir sie nicht so schnell. Es handelt sich dabei nämlich um eine EU-Richtlinie. Damit können einzelne Staaten nicht selbstständig darüber entscheiden. Eine europäische Bürgerinitiative wäre eine Möglichkeit das zu ändern. Dabei müßten mindestens eine Million Menschen innerhalb der EU mitmachen. Diese wiederum müssten aus wenigstens einem Viertel der EU-Mitgliedsstaaten kommen. Dann könnte die Europäische Kommission den Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorgelegt bekommen. Sie muss diesem aber nicht nachkommen und kann eine begründete Ablehnung mitteilen.

Momentan wird das EU-Parlament mit Bürgeranfragen bestürmt, die die Abschaffung der Zeitumstellung fordern. Diese Forderung spaltet aber die Fraktionen und eint dafür ganz verschiedene Parteien: Die CDU teilt sich in zwei „Zeitumstellungslager“, dafür sind sich andere Konservative und Rechtspopulisten einig. Wirkliche Mehrheiten für die eine oder die andere Seite lassen sich derzeit im Europaparlament nicht festhalten, da die Politiker jeweils andere Studien zum Beweis der eigenen Ansicht zur Hand haben.

Photo by Benjamin Voros on Unsplash

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